THCP ist ein Cannabinoid mit dem chemischen Namen Δ9-Tetrahydrocannabiphorol, das 2019 von einem italienischen Forschungsteam erstmals in Cannabis nachgewiesen wurde. In Deutschland ist es kein frei handelbarer Stoff, weil es vom Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz erfasst wird. Wir führen deshalb keine THCP-Produkte. Spannend bleibt das Molekül trotzdem, vor allem wegen seiner ungewöhnlich langen Seitenkette und weil der Name als Suchbegriff und als Kategoriebezeichnung weiter kursiert.
Das Wichtigste in Kürze
- THCP steht für Δ9-Tetrahydrocannabiphorol, Summenformel C23H34O2, molare Masse rund 342 g/mol.
- Die Seitenkette besteht aus sieben Kohlenstoffatomen (Heptyl), bei THC sind es fünf (Pentyl).
- Erstbeschreibung 2019 in der Fachzeitschrift Scientific Reports, isoliert aus der Cannabissorte FM2.
- In Deutschland fällt THCP seit 2023 unter das NpSG; in der Pflanze kommt es nur in Spuren vor, verkaufte Ware entstand im Labor.
Chemische Herkunft und Herstellung von THCP
THCP ist ein natürlich vorkommendes Phytocannabinoid, das in der Pflanze aber nur in winzigen Mengen entsteht. Die Arbeitsgruppe um Cinzia Citti isolierte es 2019 aus FM2, einer in Italien angebauten Medizinalcannabis-Sorte. Die gefundenen Anteile lagen im Bereich von Hundertsteln eines Prozents. Aus Blütenmaterial lässt sich der Stoff damit nicht wirtschaftlich gewinnen.
Alles, was später unter dem Namen THCP gehandelt wurde, stammt aus dem Labor. Üblich ist eine mehrstufige Synthese: Ein Resorcinol-Baustein mit siebengliedriger Kohlenstoffkette wird aufgebaut und anschließend mit einem Terpen-Baustein verknüpft, der aus Hanfextrakt stammen kann. Die charakteristische Heptyl-Kette wird also chemisch erzeugt und nicht aus der Pflanze herausgelöst. Fachlich spricht man von einem halbsynthetischen oder vollsynthetischen Cannabinoid, je nachdem, woher die Ausgangsstoffe kommen.
Zu den Effekten beim Menschen liegen bis heute keine kontrollierten klinischen Studien vor. Die Veröffentlichung von 2019 beschreibt Laborversuche und Tierversuche, keine Anwendungsdaten. Wer belastbare Aussagen sucht, findet derzeit vor allem offene Fragen.
Unterschied THCP und THC: chemische Struktur, nicht Wirkung
Der Unterschied steckt in der Alkyl-Seitenkette am aromatischen Ring, nicht im Grundgerüst. Beide Moleküle teilen dasselbe Dibenzopyran-Gerüst, das für die Cannabinoid-Familie typisch ist. Danach trennen sich die Wege:
| Cannabinoid | Summenformel | Seitenkette | Molare Masse |
|---|---|---|---|
| THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) | C21H30O2 | Pentyl, fünf Kohlenstoffatome | rund 314 g/mol |
| THCP (Δ9-Tetrahydrocannabiphorol) | C23H34O2 | Heptyl, sieben Kohlenstoffatome | rund 342 g/mol |
Die beiden zusätzlichen CH2-Gruppen machen das Molekül länger und lipophiler, also fettlöslicher. Solche Homologen-Reihen sind in der Cannabinoid-Chemie bekannt. Neben der Pentyl-Variante existieren auch Formen mit drei Kohlenstoffatomen, etwa THCV. THCP ist das bislang längstkettige in Cannabis nachgewiesene Mitglied dieser Reihe. Analytisch lassen sich die Varianten über Massenspektrometrie sauber auseinanderhalten, weil die Molekülmassen um jeweils 28 Einheiten auseinanderliegen.
Synthetische Cannabinoide: Einordnung von THCP
Im Handel verkauftes THCP zählt zu den laborhergestellten Cannabinoiden, auch wenn das Molekül selbst in der Pflanze vorkommt. Für die rechtliche Einordnung ist genau diese Herkunft entscheidend. Nutzhanf im Sinne des KCanG § 1 Nr. 9 darf höchstens 0,3 Prozent THC enthalten, und die Regel bezieht sich auf Pflanzenmaterial. Ein im Reaktor erzeugtes Cannabinoid fällt nicht unter diese Definition.
In den letzten Jahren tauchte eine ganze Reihe solcher Stoffe auf dem Markt auf. Produkte mit dem synthetischen Cannabinoid HHZ gehören dazu, ebenso Angebote rund um das Cannabinoid THZ. Gemeinsam ist ihnen, dass sie chemisch hergestellt werden und dass der Gesetzgeber sie laufend neu bewertet.
Warum die Begriffe im Handel so oft wechseln
Das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz arbeitet mit Stoffgruppen statt mit Einzelnamen. Sobald eine Gruppe erweitert wird, ist eine ganze Molekülfamilie erfasst. Hersteller weichen dann auf Strukturen außerhalb der beschriebenen Gruppe aus. Für dich als Leser heißt das vor allem: Ein Produktname sagt wenig darüber aus, welches Molekül tatsächlich enthalten ist. Der Blick ins Datenblatt ist zuverlässiger als der Blick auf die Verpackung.
THCP legal in Deutschland: der aktuelle Stand
THCP wird in Deutschland vom Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) erfasst und darf nicht gehandelt werden. Der Stoff wurde 2023 über eine Erweiterung der Anlage zum NpSG einbezogen. Das Gesetz stellt in § 4 unter anderem Herstellung, Handel, Inverkehrbringen und Einfuhr unter Strafe. Erfasst werden Stoffe über die Stoffgruppen in der Anlage, die per Verordnung angepasst wird. Den vollständigen Wortlaut findest du beim Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de/npsg.
Cannabis mit THC wird davon getrennt behandelt, nämlich über das Konsumcannabisgesetz und das Medizinal-Cannabisgesetz. Für HHC verlief die Entwicklung ähnlich wie bei THCP: Auch dieser Stoff wurde über eine Erweiterung der NpSG-Anlage erfasst. Die Hintergründe dazu haben wir im Beitrag zum HHC-Verbot in Deutschland aufgeschrieben.
Österreich und Schweiz
In Österreich greifen das Suchtmittelgesetz und das Neue-Psychoaktive-Substanzen-Gesetz samt der zugehörigen Verordnung. Welche Stoffgruppen dort aktuell gelistet sind, kannst du im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) nachlesen. Die Schweiz führt kontrollierte Substanzen in den Verzeichnissen der Verordnung des EDI über die Verzeichnisse der Betäubungsmittel. Synthetische Cannabinoide sind dort gruppenweise aufgeführt; die geltende Fassung steht auf der Plattform Fedlex. Rechtsstände ändern sich, deshalb lohnt sich bei jeder konkreten Frage ein Blick in die Originalfassung oder eine anwaltliche Auskunft.
THCP Blüten: was hinter dem Begriff steckt
Blüten enthalten THCP nicht von Natur aus in nennenswerter Menge, der Stoff wurde früher auf getrocknetes Pflanzenmaterial aufgebracht. Das Verfahren ist bei laborhergestellten Cannabinoiden üblich: Eine Lösung wird aufgesprüht oder das Material wird darin benetzt, danach verdampft das Lösungsmittel. Die Blüte dient als Träger, das Cannabinoid stammt aus dem Labor.
Die Kategorie THCP Blüten in unserem Shop listet heute Blüten mit dem laborhergestellten Cannabinoid HHZ sowie CBD-Blüten aus Nutzhanf. Wenn du gezielt nach Pflanzenmaterial ohne synthetische Zusätze suchst, findest du dieses in der Kategorie CBD Blüten, für die der Grenzwert von 0,3 Prozent THC nach KCanG § 1 Nr. 9 gilt.
THCP Vape: wie das Format funktioniert
Ein Vape bezeichnet die Darreichungsform, nicht den Inhaltsstoff. Ein Pen besteht aus Akku, Heizelement und einer Kartusche mit Liquid. Welches Cannabinoid im Liquid steckt, steht ausschließlich im Produktdatenblatt. Technisch ist ein Gerät mit THCP-Liquid identisch mit einem Gerät, in dem ein anderes Cannabinoid sitzt. Wie die Technik im Detail arbeitet, erklärt unser Beitrag zum Aufbau von Vape Pens.
In unserer Kategorie THCP findest du aktuell Vape Pens und Kartuschen mit HHZ in unterschiedlichen Füllmengen. THCP-haltige Kartuschen gehören nicht dazu.
Kategorienamen in Onlineshops sind historisch gewachsen und sagen nichts über den tatsächlichen Inhalt aus. Prüfe vor jedem Kauf im Produkttext, welches Cannabinoid genannt wird, und sieh bei rechtlichen Fragen in die geltende Gesetzesfassung deines Landes.
Quellen
- Citti C. et al.: Δ9-Tetrahydrocannabiphorol: a novel natural cannabinoid. Scientific Reports 9, 2019. nature.com
- Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG), Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (Link im Abschnitt zur Rechtslage).
- Konsumcannabisgesetz (KCanG), Bundesministerium der Justiz. gesetze-im-internet.de
- Rechtsinformationssystem des Bundes (Österreich) und Fedlex (Schweiz) für die jeweils geltenden Fassungen.
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